Abtreibung

Es ist Zeit, wieder für das Leben zu marschieren

Gustavo Brinholi
14
January
2026

Es ist Zeit, wieder für das Leben zu marschieren

Wie ich durch viele „Zufälle“ zum ersten Mal am Marsch fürs Läbe in Örlikon/Zürich in der Schweiz teilnehmen durfte.

Ende Mai las ich die historische Biografie des Hl. Nikolaus von Flüe, genannt auch Bruder Klaus und Schutzpatron der Schweiz. Die Biografie war ein Geschenk der Autorin Kathrin Benz Morisoli. Bruder Klaus ist wirklich ein besonderer Heiliger: er war verheiratet und Vater von 10 Kindern, aber im Alter von 50 Jahren beschloss er, mit der Zustimmung seiner Frau, als Einsiedler zu leben. Dieser Ruf war so eindringlich, dass er ihn nicht ignorieren konnte, und seine Frau verstand es. Er verbrachte die letzten 20 Jahre seines Lebens nur wenige Meter von seinem Zuhause entfernt, wurde zu einem vertrauten Berater vieler Politiker und Herrscher und spielte eine Hauptrolle bei der Förderung des Friedens zwischen den Schweizer Kantonen. So sehr, dass er als Vater der modernen Schweiz betrachtet wurde.

Eine Nachricht vom Ende der Welt

Wenige Tage nach dem Lesen des Buches erhielt ich eine SMS auf meinem Handy: es war Tonio Tavares de Mello, Gründer der Gemeinschaft „Gesù Bambino“ in Brasilien. Er teilte mir mit, dass er im September in Zürich sei und dies vielleicht eine Gelegenheit wäre, uns wiederzusehen. Es schien mir ein zu großer Zufall zu sein, dass, sobald ich an die Schweiz dachte, mir ein Freund vom anderen Ende der Welt schrieb und mir mitteilte, dass er genau dorthin kommen würde. Ich hatte früher bereits mit der Gemeinschaft „Gesù Bambino“ zusammengearbeitet, Antonio Tavares de Mello kümmert sich um behinderte Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden. Viele von ihnen leiden unter Zerebralparese, Krankheiten und Missbildungen, die auf fehlgeschlagene Abtreibungsversuche zurückzuführen sind. Er selbst hat über 40 dieser Kinder adoptiert. Die Gemeinschaft ist Teil meines Filmes „Human Life“, weiters habe ich ihre Teilnahme am Marsch für das Leben in Washington und in Rom organisiert und so kam mir sofort der Gedanke, mit ihnen am Marsch fürs Läbe in Zürich teilzunehmen. Ich habe nachgeschaut, wann der Marsch stattfinden würde, und siehe da: das Datum war der 20. September, exakt in der Zeit, in der Tonio und die Gemeinschaft in Zürich sein würden.

Die Vorsehung hat gute Arbeit geleistet

Ich hatte die Telefonnummer von Monika Hoffmann, der Organisatorin des Marsches und schrieb ihr. Innerhalb weniger Wochen hatten wir vereinbart, dass die Gemeinschaft „Gesù Bambino“ am Marsch teilnehmen und auf der Hauptbühne ein Zeugnis abgeben sollte. Diese Reihe von Zufällen ließ mich trotz meines geringen Glaubens wirklich glauben, dass mir dieser Monat Juni, der Monat des Heiligsten Herzens Jesu, einen Weg weisen würde, dem ich folgen sollte: es war Zeit, wieder für das Leben zu marschieren.

Zwischen Juni und September hat sich dann allerdings vieles geändert. Ich wurde wieder an die Musikschule berufen, um zu unterrichten. Daher fiel es mir schwer, angesichts der Reise persönliche Termine zu organisieren. Die Versuchung war groß, alles aus der Ferne zu organisieren, indem ich einen Übersetzer und Begleiter für die Gemeinschaft mit der guten und akzeptablen Ausrede fand, dass ich wegen meiner Arbeit und meiner Familie in Bozen bleiben musste. Zudem müsste ich noch eine Unterkunft in Zürich finden und die Preise sind da bekanntlich nicht gerade die Niedrigsten.

Gruppe von Menschen, die gegen Abtreibung demonstriert
Die Gruppe mit dem Gastgeber Benjamin Zürcher (Mitte)

Aber auch da hat die Vorsehung gute Arbeit geleistet: Monika Hoffmann hat eine gute Seele gefunden, die sich bereit erklärt hat, mich aufzunehmen. Und so kam ich am Abend des 19. September, einen Tag vor dem Marsch fürs Läbe, in Zürich an. Mein Gastgeber, der junge Benjamin Zürcher, holte mich sogar vom Flughafen ab. Während des ersten Teils der Fahrt zwischen dem Flughafen Zürich und seinem Zuhause, einer eher städtischen Strecke, berichtete mir Benjamin von der starken Präsenz von Ideologien, die den Werten der Familie und des Glaubens in Zürich und Umgebung zuwiderlaufen. Diese seien vor allem vertreten durch die Gruppe Antifa (Antifaschistische Aktion), was ich dann mit eigenen Augen sah. Wir kamen an zahlreichen Häusern vorbei, an denen Bänder mit der Aufschrift „Antifa“ hingen; ein Haus war sogar als Antifa-Hauptquartier gekennzeichnet. So hat Benjamin mich auf die Tatsache vorbereitet, dass es wahrscheinlich viele Demonstranten gegen den Marsch fürs Läbe geben wird. Tatsächlich waren wir bereits darüber informiert worden, dass der Platz, auf dem die Bühne aufgebaut wird, von mit schwarzen Planen bedeckten Zäunen umgeben sein wird, damit man nicht hineinsehen kann.

Wohltuende Natur

Dieser erste Eindruck änderte sich jedoch, als wir auf unserer Fahrt in eine ländlichere Gegend kamen. Am nächsten Morgen stand ich früh auf und stellte fest, dass wir uns in einer Gegend mit viel Landwirtschaft befanden, man konnte die Tiere hören und sehen: Kühe, Ochsen, Ziegen und das Zwitschern der Spatzen an diesem warmen Morgen des letzten Sommertages des Jahres. Ich sah die nahe gelegenen Felder, sah junge und alte Menschen, die auf ihren Höfen arbeiteten oder das Fest in der Grundschule ihres Viertels vorbereiteten. Es gab auch schöne Apfelbäume, die extensiv und natürlich angebaut wurden, ohne die für Großproduktionen typische Form, die mittlerweile in Südtirol so verbreitet ist. Keine Graffitis mit der Aufschrift „Antifa“ oder „My body, my choice“ auf den Straßen, sondern die Ordnung der Natur: Tiere, Obstbäume, junge Menschen, Erwachsene und ältere Menschen, die friedlich arbeiteten und Kinder, die spielten.

Gut durch die Polizei geschützt

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Zug nach Zürich Oerlikon, wo sich die Bühne, sowie der Start- und Zielpunkt des Marsch fürs Läbe befand. Innerhalb der Umzäunung, welche die Teilnehmer am Marsch gegen die Gegendemonstranten abschirmte, herrschte eine Ruhe, die mich an die Felder der Schweizer Landschaft erinnerte: Familien mit Kinder, Luftballons, die aus den Händen der Kinder Richtung Himmel flogen, Priester und Ordensleute in ihren Gewändern, Frauen und Männer jeden Alters. Auf den Straßen hingegen waren die Antifa-Anhänger unterwegs: verhüllte Gesichter, wütende Schreie und graue und schwarze Kleidung, die sich mit der Stadtlandschaft vermischte. Man könnte fast sagen, dass für das Leben zu marschieren bedeutet, dem Rhythmus und den Farben der Natur zu folgen. Hingegen gegen das Leben zu sein bedeutet, für das städtische Chaos einzustehen, wo Lärm und Unordnung den Raum der Schönheit und des Funktionierens auf dem Land einnehmen.

Als wir uns auf den Weg machten, um durch das Viertel von Oerlikon zu marschieren, konnten wir feststellen, dass die Polizei ihre Arbeit sehr gut gemacht und für einen friedlichen Ablauf gesorgt hat. Die Antifa versuchte, durch die lärmende Anwesenheit von 150 Bikern die Veranstaltung zu stören, diese wurden aber eine Stunde vor Beginn des Marsches von der Polizei zerstreut. Während des Marsches sahen wir dann die lächelnden Gesichter der Menschen, die zum Klang einer in Zürich gegründeten Sambaschule mitmarschierten.

Diese „Märsche“ sind oft schwer zu organisieren, da die öffentliche Verteidigung des Lebens zu einem politisch-sozialen Krieg geworden ist, in dem viele Stimmen zu hören sind, die letztendlich das Hauptziel der Märsche verwischen: zusammenzukommen, um die Schönheit des Lebens in seiner Einfachheit, in seinem Wesen zu preisen. Heutzutage sind wir alle leichte Beute für die virtuelle Welt, die uns nicht nur interaktive Spiele und Essen zum Mitnehmen bietet, sondern oft auch politische Themen, die weit von unserer Realität entfernt sind. Die jungen Menschen – vor allem diejenigen in den städtischen Zentren – leiden oft unter dieser Situation, ohne jemals ein einfacheres Leben kennengelernt zu haben, das mit den Rhythmen der Natur verbunden ist, die uns zeigen, was das Leben wirklich ausmacht.

Späte Eheschließungen und ein hedonistisches Leben verzögern, wenn nicht gar verhindern, dass die neuen Generationen mit der Realität des Familienlebens in Berührung kommen. Wie schön es zum Beispiel sein kann, mit dem Lächeln oder Weinen eines Kindes aufzuwachen, das aus der Liebe zwischen Mann und Frau geboren wurde, die die Freuden und Schwierigkeiten des Zusammenlebens unter einem Dach erleben, um jeden Tag am Geheimnis der Schöpfung der Welt teilhaben zu können. ◻

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