WARUM TROTZDEM LEBENSCHÜTZER?!
Als Lebensschützer für die ungeborenen Kinder wird man selten mit Orden und Auszeichnungen überhäuft. Vielmehr wird man oft verbal angefeindet oder auch angeschwiegen. Warum gibt es trotzdem Menschen, die unverdrossen an vorderster Front kämpfen – und das teils schon seit vielen Jahren?

Lebensschützer aus Überzeugung
Dr. Fancesco Avanzini
LEBE: Wie kamst du dazu, dich konkret für den Lebensschutz einzusetzen?
DR. FRANCESCO AVANZINI: Als Arzt habe ich immer gedacht, dass der größte Wert, der erhalten werden muss, das Leben von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende ist. Heute sind Angriffe auf den Wert des Lebens immer häufiger und gewalttätiger geworden. Vor allem denke ich an die Verbreitung von Abtreibung, den Mord an einem wehrlosen, unschuldigen Menschen, der heute sogar als Recht gilt, aber auch an Euthanasie sowie an Geschlechtsumwandlungen, die junge Jugendliche ruinieren. Für all das fühlte ich mich zu einer direkten Verpflichtung berufen.
LEBE: Als Arzt ist der Zugang nochmals ein anderer. Welchen Ansatz pflegst du im Gespräch mit anderen Ärzten und gibt es in deinem Leben Einschränkungen oder Nachteile, die mit deiner Position zusammenhängen?
DR. FRANCESCO AVANZINI: Bevor ich religiöse Themen anspreche, appelliere ich stets an die Vernunft und an jene Ethik, die das Handeln des Arztes leiten sollte. Daher frage ich, ob das Leben als ein verfügbares Gut betrachtet werden kann, da wir es uns nicht selbst geben. Sicher ist es schwierig, denn die Ausbildung, die ein junger Arzt heute erhält, ist ganz oder fast ganz von Prinzipien des Rationalismus und Szientismus, letztendlich von Materialismus geprägt. Man schützt sich mit dem Schirm der Leitlinien, die ihrerseits oft von diesen Ideologien durchdrungen sind. Bereits seit Hippokrates wurde der Arzt vom umfassenden Respekt vor dem menschlichen Leben geleitet, durch medizinische Eingriffe keinerlei Schaden anzurichten — was heute hingegen als Fortschritt dargestellt wird.
LEBE: Im Lebensschutz gibt es einige Themen, die gesellschaftlich stark polarisieren. Wie kann es gelingen, Menschen für den Lebensschutz zu begeistern?
DR. FRANCESCO AVANZINI: Ich glaube, dass der wirksamste Weg darin besteht, Zeugnisse von Menschen vorzustellen, die Dramen wie Abtreibung, Geschlechtsumwandlung oder die Euthanasie eines geliebten Menschen durchlebt haben und daraus mit Reue und der Entdeckung des Glaubens an Gott hervorgegangen sind, der eine Erklärung für diese Dramen liefern kann. Deshalb ist es verdienstvoll, dass die Bewegung für das Leben Broschüren herausgibt, die diese Zeugnisse enthalten. Beispiele vorzustellen, wie Menschen diese Tragödien durchleben und sie teilweise oder vollständig überwunden haben, macht die Frage nicht abstrakt, sondern berührt zutiefst die menschliche Sensibilität. Bei empfänglichen Gemütern erleichtert dies jene notwendige Offenheit, um zu verstehen, dass das Leben der höchste zu verteidigende Wert ist und dass man es nicht manipulieren darf.
LEBE: Wird sich die Kultur des Lebens deiner Meinung nach in Europa jemals wieder durchsetzen?
DR. FRANCESCO AVANZINI: Nach den durch die laizistische Kultur verursachten Katastrophen und zuletzt durch die dekadente Pseudo-Kultur des „Wokeismus“ kehren die jungen Menschen im gesamten Westen den Kurs um, entdecken den unersetzlichen Wert des Lebensschutzes wieder und besinnen sich erneut auf die Tugenden. Es wird Jahre dauern, auch weil die sozialen Medien einen starken und äußerst gefährlichen Einfluss auf ihr Bewusstsein ausüben. Wenn eine Gesellschaft und eine Zivilisation überleben wollen, müssen sie im Übrigen die Geburtenrate fördern, die dank der Verbreitung von Verhütungsmitteln und rein hedonistischen Sexualpraktiken auf besorgniserregende Niveaus gesunken ist. Ich denke, dass auch die Kirche wieder ihre Stimme erheben sollte, wie sie es in der Vergangenheit getan hat, um dem Menschen eine Perspektive von Würde und Wahrheit wiederherstellen.






















