WARUM TROTZDEM LEBENSCHÜTZER?!
Als Lebensschützer für die ungeborenen Kinder wird man selten mit Orden und Auszeichnungen überhäuft. Vielmehr wird man oft verbal angefeindet oder auch angeschwiegen. Warum gibt es trotzdem Menschen, die unverdrossen an vorderster Front kämpfen – und das teils schon seit vielen Jahren?

Lebensschützer aus Überzeugung
Lukas Steinwandter
LEBE: Als Südtiroler hast du keinen alltäglichen Job: Du leitest die Redaktion des Online-Magazins Corrigenda, das sich hauptsächlich mit dem Lebensschutz befasst. Wie kamst du dazu, und hattest du vorher bereits in Südtirol Kontakte zu Lebensschutzorganisationen?
LUKAS STEINWANDTER: Seit rund 15 Jahren bin ich Journalist. Als solcher hat man generell ein Herz und ein Auge für Unterdrückte, Ausgegrenzte, für Opfer. Meine Frau machte mich auf jene Gruppe aufmerksam, die in unseren Gesellschaften die schwächste ist: ungeborene Kinder. Sie können sich nicht selbst äußern, sie haben auch keine starke Lobbygruppe. Nicht vergessen werden sollte: Neben dem ungeborenen Kind, das auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, gibt es im Falle eines Schwangerschaftskonflikts auch immer eine Mutter, die in einer schweren Krise steckt. Unter anderem durch die Zahlen von 1000plus-Profemina wissen wir, dass die meisten Frauen das Kind eigentlich wollen, ihre persönlichen Umstände es aber nicht zulassen zu scheinen. Und an diesem Punkt findet eine der größten Ungerechtigkeiten und unterlassenen Hilfeleistungen statt, die wir heute haben. Statt den Frauen und Kindern zu helfen, werden sie medial, politisch, kulturell zur Abtreibung gedrängt. Mit Corrigenda versuchen wir, hier einen Kontrapunkt zu setzen. Mit ehrlicher Aufklärung, harten Fakten und vernünftigen Kommentaren dafür zu sorgen, dass diese Ungerechtigkeit, die nebenbei auch eine der größten Auflehnungen gegen Gott ist, erkannt und aufgehoben wird. Wir sind die Stimme für mehr Zuversicht, für mehr Familie und ein Ja zum Leben ohne Vorbedingungen. In Südtirol gibt es noch Nachholbedarf, was die Aufmerksamkeit für diese Themen anbelangt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das ändern können.
LEBE: Wie reagiert dein soziales Umfeld, wenn es um deinen Beruf geht?
LUKAS STEINWANDTER: Was gibt es Cooleres, als Gutes zu tun und dabei noch seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können? Meine Freude und Motivation Dabei sind hoffentlich ansteckend. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendjemand aus meinem näheren oder weiteren Umfeld die Stirn runzelt. Eher kommt es zu Nachfragen und Diskussionen.
LEBE: Lebensschützer werden in letzter Zeit öfters verbal oder sogar physisch angegriffen. Hast du schon einmal so etwas erlebt?
LUKAS STEINWANDTER: Im Internet, im Schutz der Anonymität, da erlebt man als öffentlich auftretende Person natürlich verbale Angriffe. Ich glaube, das gilt für alle politisch und gesellschaftlich engagierten Personen, egal welcher Couleur. Man darf die sozialen Medien aber nicht mit dem realen Leben verwechseln. Mit den meisten Menschen kann man reden, und den wenigen anderen sollte man aus dem Weg gehen. Wichtig ist: Keine Angst haben! Die Wahrheit muss sich nicht fürchten. Ich war einmal beruflich an einem von Linksextremen besetzten Haus in Berlin, dessen Bewohner vor Gewalt nicht zurückschreckten. Der Puls geht hoch, aber wenn man freundlich und selbstbewusst auftritt, ist das schon mal eine gute Ausgangslage. Etwas Kampfsport schadet nie, auch für das Selbstbewusstsein ist das eine feine Sache.
LEBE: Welche Unterschiede gibt es deiner Meinung nach zwischen dem Lebensschutz in Deutschland und dem in Südtirol/Italien?
LUKAS STEINWANDTER: Deutschland und Italien sind zwei völlig verschiedene Länder. Zwar wirken dieselben säkularen Kräfte, aber die Voraussetzungen sind andere. In Ostdeutschland zum Beispiel, der atheistischsten Region Europas, kann man mit christlichen Lebensschutzargumenten nicht viel erreichen. In anderen Regionen wie in Bayern ist das anders. Für die Politik spielt das Thema aber leider keine Rolle. In Italien hingegen gibt es Regionalregierungen, die dezidiert pro life sind und Städte zu Pro-Life-Hochburgen ausrufen. Die Lebensschutzbewegungen verfolgen dasselbe Ziel, müssen aber taktisch anders vorgehen. Ein bisschen nach dem Motto Helmuth von Moltkes „getrennt marschieren, vereint schlagen“.
LEBE: Welche Wege gibt es heute, die Anliegen des Lebensschutzes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
LUKAS STEINWANDTER: Die technischen Voraussetzungen heute sind besser denn je. Politisch und kulturell liegt noch viel Weg vor uns. Das Allerwichtigste ist jedoch das persönliche Zeugnis. Wer mit Herz und Verstand, mit Freude und Feuer dabei ist, wer zu Opfern bereit ist, der bewegt sein persönliches Umfeld. Und eine Sache noch: Ein lettischer Pfarrer, der auch in der Nationalgarde Lettlands dient, sagte kürzlich im Corrigenda-Interview: „Im Gebet liegt unsere Kraft, das ist unsre erste Verteidigungslinie. Wenn wir nicht beten, wird es schwer werden.“ Das gilt sicher auch für uns.























